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Pseudo-Esoterik-Abbrecher

Muss mal wieder gesagt sein:  Spirituell sind wir alle - ob wir wollen oder nicht.

Aber etwa geschätzte 95-98 % derjenigen Menschen, die sich bewusst auf einen "spirituellen Weg" machen, sich in Seminare dazu begeben, Bücher lesen, sich in Gruppen treffen, brechen diesen irgendwann ab. (Sie gehen ihn natürlich trotzdem weiter. Das erhöht ihren inneren Freiheitsdrang-Druck bzw. rechtfertigt die Unterdrückung dessen in der Ablenkung im Außen.) "Pseudo-Spirituelle" oder "-Esoteriker" werden sie häufig genannt.

Sie wollen sich aus Angst, Bequemlichkeit und/oder Schmerzvermeidung nicht den eigenen Schatten stellen, die dunklen Seiten anschauen und verneinen das Böse. Sie wählten diesen Weg ja ursprünglich, um in die Freiheit und die Freude zu gelangen. Raus aus den alten einengenden Schuhen. Und auf einmal müssen sie sich mit Themen auseinandersetzen die (Eigen-)Verantwortung erfordern und Konsequenzen mit sich bringen, die der eigenen heilen Weltvorstellung so gar nicht entsprechen. Lebens-Flucht. Daher als Motto lieber nur "Licht und Liebe", lieber nur dem "Guten" zuwenden - und damit das Dunkle verdrängen. Aus den bisherigen Erkenntnissen, dem angehäuften Wissen, verbreiten sie dann in ihrem Umfeld missionierend Lebensweisheiten, Kalendersprüche. Ob die anderen wollen oder nicht, sie werden als "Unwissende" entsprechend belehrt. Das angesammelte, gefährliche - weil eben nicht zu Ende gelebte - "HalbWissen" wird vorwiegend willkürlich für sich und seine Interessen ausgelegt. Auch um der Gesellschaft die eigene Andersartigkeit zu zeigen und dafür Aufmerksamkeit zu bekommen - positive wie negative. Das dient also der Polierung des eigenen Egos, das man eigentlich ändern wollte. Dazu passen auch die stolz erzählten Geschichten, in denen sie für ihre Andersartigkeit und ihr esoterisches Wissen angehimmelt werden (wollen), das hierarchisch unters Volk gebracht wird. Das führt kurzfristig zu einem inneren Wohlgefühl, aber eben nur kurz. Danach geht die Suche, die Sucht nach Liebe im Außen weiter.

Durch dieses Auftreten sind sie es aber auch, die stellvertretend für alle sich öffnenden Menschen eine Ablehnung, Abneigung der Gesellschaft diesen Themen und den Andersdenkenden gegenüber hervorrufen.

 

Doch ja, auch all das ist Teil der Evolution und daher so wie es ist. Letztendlich geht es doch auch hierbei darum, nicht alles nur Schwarz oder Weiß zu sehen, nicht "Entweder-oder", sondern die Menschheit aufzurufen sich immer wieder ihr eigenes Bild zu machen und die vielen Farben dazwischen zu leben, das "Sowohl-als-auch"... in allen Bereichen des Lebens.

 

Immer wieder begegnet mir dies im Umgang mit Menschen, die ich eine Weile begleitet habe, die sich irgendwann für andere Wege entschieden haben. So auch dieser Tage, als ein früherer Weggefährte mir sagte "Ich bin enttäuscht von dir, dass du ... nicht kommst. Keine Ahnung was du für ein Problem hast, aber das ist ja deins..!"

Ich habe kein Problem. Warum werden anderen Menschen immer wieder Probleme aufgeschwätzt, nur weil sie nicht das tun, was andere von ihnen erwarten?

Ich hatte nur ein mich einengendes Gefühl beim Gedanken an einen Besuch zu seinem Fest. Mein inneres Navi sagte einfach Nein. Das ist alles. Ich kann es nicht genau beschreiben und muss es auch nicht. Ich habe eine Idee dazu, aber eben nur eine Idee, und ob die stimmt, weiß ich nicht. Das habe ich so kommuniziert.

Seine Enttäuschung ist das Ende seiner Erwartungshaltung meinem Verhalten ihm gegenüber. So, wie ich seines Erachtens und in seinem Sinne funktionieren sollte.

Ja, manche heben ihre Lehrer und Mitmenschen während der gemeinsamen Zeit ihres inneren Wohlgefühls auf einen Sockel, ob die wollen oder nicht. Von da aus ist es leichter sie auch wieder herunterzustürzen, genügt er nicht mehr den eigenen Ansprüchen. Doch da oben gehört keiner hin und dort wollen die meisten auch gar nicht sein. Wir alle sind gleichwertig.

 

Und ja, ich gehör(t)e dieser bunten Welt genauso an, gehe jedoch weiter, durch Licht und Dunkelheit, die Schatten in mir und um mich, ziehe mich zurück und stehe wieder auf, komme wieder - aber woanders - raus, weine und lache, gehe weiter...